Ministerin Schopper zu Besuch im Wahlkreis

Kultusministerin Theresa Schopper war am 10.11.23 zu Besuch im Wahlkreis Wiesloch. Sabine Hebbelmann berichtete in der RNZ:

Nußloch: Erzieherinnen schildern Ministerin alarmierende Lage in Kitas – Rhein-Neckar – Nachrichten und Aktuelles aus der Region – Rhein-Neckar-Zeitung (rnz.de)

Das Förderprogramm „Lernen mit Rückenwind“ hat das Ziel, Lernrückstände auszugleichen und sozial-emotionale Kompetenzen zu stärken. Als Baden-Württembergs Kultusministerin Theresa Schopper ankommt, arbeitet gerade eine Rückenwind-Gruppe mit selbst gekneteten Tonfiguren und Farben. Eingeladen hatte der lokale Grünen-Landtagsabgeordnete Norbert Knopf.

Schulleiter Martin Rupp führt durch die Schillerschule und zeigt Kunstwerke, die das Lehrerzimmer und sein Büro verschönern und die im Rahmen des Landesprogramms mit dem Kooperationspartner „Kikusch“, also der Kinder- und Jugendkunstschule, in der Druckwerkstatt entstanden sind.

Rupp lobt den Bundesfreiwilligendienst und beschreibt, wie künftige Fachkräfte an der Schillerschule herangezogen werden. Die „Bufdis“ würden gleich nach dem Abitur „gecastet“, könnten sich später auch in den Semesterferien „was abschauen“ und ihr Referendariat an der Schule machen.

Das Praxissemester sei zu wenig, bestätigt Schopper. Mit „Rückenwind“ gebe es gute Möglichkeiten, Studierende für den Lehrerberuf zu begeistern: „Sonst gehen sie wieder kellnern, das wäre schade.“ Für die Ministerin ist wichtig, dass Kooperation mit Leben gefüllt wird. Je nachdem, welches Ganztagsmodell gewählt wird, könnten örtliche Vereine einbezogen werden.

Oder auch die Volkshochschule (VHS). „Im Volkshochschulverband wurde diskutiert, wie wir die wertvollen Kräfte langfristig binden können“, sagt Annette Feuchter, Leiterin der VHS Südliche Bergstraße. Für die Angebote brauche es mehr finanzielle Mittel, betont sie. Schopper verweist auf den Koalitionsvertrag und räumt zugleich ein, dass für eine Weiterbildungskonzeption nur 1,2 Millionen Euro im Haushalt stehen. Für die Volkshochschulen müsse im kommenden Haushalt ein Paket geschnürt werden, macht sie deutlich.

Unter dem Dach der VHS findet sich auch die „Kikusch“. Leiterin Elisabeth Kamps präsentiert die Druckwerkstatt. Beim Hantieren mit Lettern und Farbe könnten Kinder ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Die ehemalige Schuldruckerei betreut Druckermeister Thomas Stang. Ministerin Schopper, Landtagsabgeordneter Knopf und Bürgermeister Joachim Förster dürfen selbst Hand anlegen.

Knopf gefällt nicht nur, dass die Werkstatt Reste aus umliegenden Druckereien verwertet. Als gelernter Sozialpädagoge lobt er das „Begreifen“ der Sprache durch spielerisches Heranführen in kleinen Gruppen. Und leitet über zum Thema „Sprachförderung im vorschulischen Bereich“ mit Leitungspersonal aus Krippen und Kindergärten im Wahlkreis Wiesloch.

Je nach Sozialstruktur und Ausstattung unterscheiden sich Erfahrungen und Bewertungen in den Orten und Kitas zwar zum Teil erheblich, dennoch wird klar: Die Lage ist alarmierend. Berichtet wird über verhaltensauffällige Kinder, zu große Gruppen, Förderprogramme und Konzepte, die mehr Aufwand als Nutzen mit sich bringen.

Sowie von Kolleginnen, die schlecht Deutsch sprechen, Nicht-Fachkräften, die keine große Hilfe seien, Gruppen mit einem hohen Anteil von Kindern mit fehlenden Sprachkenntnissen sowie von Erzieherinnen, die verzweifeln und aus dem Beruf aussteigen. Es braucht mehr Personal, lautet die einhellige Forderung der Erzieherinnen, die darüber klagen, dass sie kaum noch Zeit haben, mit den Kindern zu reden.

Statt unzureichender Förderprogramme mit unsicherer Finanzierung wünscht sich Christine Münkel vom Anne-Frank-Kindergarten in Sandhausen alltagsintegrierte Sprachförderung. „Das machen wir jetzt“, verspricht Schopper und verweist auf die Pädagogischen Hochschulen in Heidelberg und Mannheim, wo Coaches für die Fachkräfte in den Kitas ausgebildet werden. Sie erinnert an den gewachsenen Bedarf und daran, dass die Zahl der Erzieherinnen seit 2011 verdoppelt wurde.

Als aktuelles Beispiel für die Bemühungen, Personal zu gewinnen, nennt sie den Kita-Direkteinstieg. Gelobt wird das Konzept der Sprach-Kita. Schopper verweist zudem auf die Eingangsschuluntersuchung und zusätzliche Förderung für das letzte Kindergartenjahr bei Defiziten. „Das ist zu spät!“, entgegnet Münkel. „Der Spracherwerb beginnt in der 26. Schwangerschaftswoche.“