Bürgerenergie als Chance für den Klimaschutz

Für eine konsequente Energiewende braucht es den politischen Willen

Rhein-Neckar. Während sich durch verschärfte Klimaziele der Druck auf die Politik erhöht, werden erneuerbare Energien immer preiswerter. Die nötigen Voraussetzungen schaffen und die Energiewende so schnell wie möglich umsetzen, dies ist für Norbert Knopf, Landtagskandidat der Grünen im Wahlkreis Wiesloch, das Gebot der Stunde. Bei einer digitalen Veranstaltung am 10.12.2020 übte er Kritik an der GroKo, die bei der Energiewende seit vielen Jahren auf der Bremse stehe.

Knopf stellte den Mannheimer Diplom-Volkswirt Daniel Bannasch vor, der 2006 mit Energie-Akteuren aus dem Rhein-Neckar-Raum einen Dachverband für erneuerbare Energien gründete, den Verein ‚MetropolSolar Rhein-Neckar‘.

„Es ist interessant Jemanden zu haben, der eine, manchmal radikal anmutende, aber sehr fundierte Vorstellung davon hat, wie man das Energiesystem auf 100 Prozent regenerative Energien umstellen kann, und das in einer Geschwindigkeit, wie es viele andere vermissen lassen“, sagte Knopf und schickte hinterher: „Und vor allem – das ist der zweite Aspekt – eine Energiewende, die nicht von Konzernen getragen wird, sondern von der Bevölkerung.“

Ginge es nach Daniel Bannasch, müsste das Thema lange nicht so kompliziert sein, wie es oft gemacht wird. Mit seinem Vortrag „Energiewende auf dem Bierdeckel“ ist der Mannheimer Diplom-Volkswirt seit Jahren auch bundesweit unterwegs und fordert für alle ein „Recht auf Sonne“.

Aus dem Amerikanischen übersetzt hat er das Buch „Saubere Revolution 2030“ von Tony Seba. Dieses sieht das Energie- und Verkehrssystem an der Schwelle zur Disruption. Treiber der Entwicklung seien exponentiell fallende Kosten bei Solaranlagen, Windrädern, Speichern, Elektro-Autos, Sensoren und Massendaten. Bannasch kennt die einschlägigen Studien und Zahlen. In seiner im Februar veröffentlichten Solarstrategie skizziert Bannasch den Weg zu 100 Prozent Erneuerbaren Energien bis 2030.

Norbert Knopf begrüßte auch Laura Zöckler, Mitglied im dreiköpfigen Vorstand der Heidelberger Energiegenossenschaft. Die Energieversorgung selbst in die Hand nehmen und demokratisieren – das ist für sie der Antrieb, sich ehrenamtlich in der Genossenschaft zu engagieren. Zöckler stellte verschiedene Beteiligungsmöglichkeiten vor und verwies auf die positive Entwicklung der Genossenschaft, die aus einem studentischen Projekt hervorgegangen ist. In diesem Jahr konnte die Genossenschaft die installierte Solarleistung gegenüber dem Vorjahr auf rund 3160 kWp mehr als verdoppeln.

Die junge Politikwissenschaftlerin engagiert sich auch bei den ‚Bürgerwerken‘, ein Verbund von derzeit 97 Energiegenossenschaften aus ganz Deutschland, zu denen in der Region neben der Heidelberger Energiegenossenschaft auch die Bürgerenergiegenossenschaften Leimen und Kraichgau (Sinsheim) gehören. Ein Bürgerstromprojekt wird gerade in Sandhausen angegangen. Man muss also nicht Hausbesitzer sein, um an der regionalen Energiewende teilzuhaben.

Für Daniel Bannasch ist die Sonne ein gigantisches und geradezu unerschöpfliches Energiereservoir, das derzeit noch überwiegend über komplizierte, teure und klimaschädliche Umwege, wie die fossilen Energien, genutzt wird. „Die Sonne, mein Modul und ich“, brachte er die einfache Formel auf den Punkt. Er rechnete vor, dass die nötigen Flächen vorhanden seien und erteilte der verbreiteten Aussage, Deutschland könne sich nicht erneuerbar selbst versorgen, eine klare Absage. Ausbaupotenzial sieht er auf zahllosen Gebäuden, Parkplätzen (Solarüberdachung, die das neue Klimaschutzgesetz in Baden-Württemberg vorsieht) sowie auf Flächen an Autobahnen. Nicht zuletzt wurden in Baden-Württemberg senkrecht stehende Solarmodule entwickelt, zwischen denen Landwirtschaft betrieben werden kann. Dort ließe sich also doppelt ernten. „Die Zeit läuft uns davon, wir müssen auf Dinge setzen, die viral gehen können“, so Bannasch.

Als wichtiges Thema sieht er den Schwankungsausgleich. Langzeitspeicher im Keller seien zwar noch teuer. Technisch ließen sich aber auch Elektroautos mit ihren leistungsfähigen Batteriespeichern über bidirektionales Laden als Speicher nutzen. “Das könnten wir nutzen, wenn die Politik es zulassen würde“, so Bannasch. Besonders wichtig sei, fossile Heizungen durch mit erneuerbarem Strom angetriebene Wärmepumpen zu ersetzen.

Als eine gute Ergänzung zum schwankenden Sonnenstrom bezeichnete er die Windkraft, die entsprechend ausgebaut werden sollte. Zumal im Rhein-Neckar-Kreis, wo es bisher noch keine Windturbinen gibt.

Wir könnten schon seit ein paar Jahren Windstrom erzeugen, sagte Jens Thomson, der mit der Bürgerinitiative Windenergie für Eberbach gegen alle Widerstände für einen Bürgerwindpark auf dem Herbert kämpft. „Aber es geht voran, ich wird’s noch erleben.“

Sabine Hebbelmann

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